Wie wirken ätherische Öle eigentlich? – Nase, Haut und Gefühle

Ätherische Öle faszinieren mich immer wieder.

Ein Tropfen Lavendel, Zitrone oder Weihrauch – und plötzlich verändert sich etwas.

Man erinnert sich an einen Ort.

Man fühlt sich wacher.

Oder ruhiger.

Manchmal hebt ein Duft die Stimmung, manchmal stößt er uns regelrecht ab.

Doch warum ist das eigentlich so?

Der schnellste Weg führt über die Nase

Unser Geruchssinn ist eng mit Bereichen des Gehirns verbunden, die an Erinnerungen, Aufmerksamkeit und Emotionen beteiligt sind.

Deshalb kann ein Duft innerhalb von Sekunden etwas in uns auslösen.

Der Geruch von Zitrone kann an Frische erinnern.

Lavendel vielleicht an Ruhe.

Ein bestimmtes Parfum an einen Menschen, den wir seit Jahren nicht gesehen haben.

Und manchmal wissen wir nicht einmal sofort, warum ein Geruch ein bestimmtes Gefühl hervorruft.

Genau das macht Düfte so spannend.

Jeder Mensch riecht anders

Ein Öl, das eine Person liebt, kann für die nächste völlig unangenehm sein.

Unser Geruchsempfinden ist geprägt von:

  • Erfahrungen
  • Erinnerungen
  • Gewohnheiten
  • persönlichem Geschmack
  • momentaner Stimmung

Deshalb halte ich wenig davon, jedem Menschen denselben Duft aufzudrängen.

Die eigene Nase darf mitentscheiden.

Was passiert über die Haut?

Ätherische Öle enthalten viele kleine, fettlösliche Pflanzenstoffe.

Bei äußerlicher Anwendung können einzelne Bestandteile die Hautbarriere durchdringen.

Wie viel tatsächlich aufgenommen wird, hängt von vielen Dingen ab:

der Hautstelle, der Verdünnung, der Einwirkzeit, dem verwendeten Öl und natürlich vom jeweiligen Menschen.

Deshalb arbeite ich bei Hautpflege fast immer mit Trägerölen, Cremes oder anderen geeigneten Grundlagen.

Mehr ist nämlich nicht automatisch besser.

Gerade ätherische Öle sind hochkonzentriert.

Warum Verdünnung sinnvoll ist

Eine Pflanze enthält ihren Duftstoff nur in vergleichsweise kleinen Mengen.

Für wenige Milliliter ätherisches Öl werden teilweise große Mengen Pflanzenmaterial benötigt.

Ein kleines Fläschchen ist also kein harmloses Duftwasser.

Deshalb sollten ätherische Öle auf der Haut bewusst und passend dosiert werden.

Gerade bei Kindern, empfindlicher Haut oder älteren Menschen gilt:

sanft anfangen.

Und was ist mit unseren Gefühlen?

Hier wird es besonders interessant.

Düfte können unsere Aufmerksamkeit lenken und Erinnerungen aktivieren.

Ein frischer Zitrusduft wird häufig als belebend empfunden.

Holzige Düfte beschreiben viele Menschen als warm oder erdend.

Lavendel wird oft mit Ruhe verbunden.

Pfefferminze wird häufig als frisch und klar wahrgenommen.

Aber diese Wirkung ist nicht für jeden Menschen identisch.

Deshalb frage ich bei meinen Workshops lieber:

„Was macht dieser Duft mit dir?“

Und nicht:

„Was musst du dabei fühlen?“

Ein kleines Experiment für zu Hause

Nimm ein ätherisches Öl, das du noch nicht gut kennst.

Öffne die Flasche.

Halte sie mit etwas Abstand unter die Nase.

Schließe die Augen.

Atme ruhig.

Und dann frage dich:

Welche drei Dinge nehme ich zuerst wahr?

Zum Beispiel:

  • warm?
  • frisch?
  • schwer?
  • leicht?
  • erdig?
  • süß?
  • beruhigend?
  • anregend?

Erinnert mich der Duft an etwas?

Manchmal ist das spannender als jede fertige Beschreibung auf einem Etikett.

Ätherische Öle sind mehr als nur „schöner Duft“

Für mich liegt genau darin ihre Besonderheit.

Sie verbinden Pflanzenwelt, Geruchssinn, Körperwahrnehmung und persönliche Erinnerungen miteinander.

Das bedeutet nicht, dass jedes Öl jede Beschwerde lösen kann.

Und es bedeutet auch nicht, dass ein Duft bei jedem Menschen gleich wirkt.

Aber er kann etwas anstoßen:

einen Moment der Ruhe,

eine Erinnerung,

Aufmerksamkeit,

ein Ritual,

oder einfach das Gefühl:

Jetzt kümmere ich mich einen Augenblick um mich selbst.

Vielleicht ist genau das manchmal schon ziemlich wertvoll.

Denn unser Körper nimmt nicht nur wahr, was wir essen oder auf die Haut geben.

Er nimmt auch wahr, was wir riechen – und was dieser Duft in uns auslöst.

 

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