Natürliche Schmerztherapie Teil 4: CBD versus THC – sachlicher Vergleich

Cannabis ist nicht gleich Cannabis. Viele sprechen pauschal darüber. Medizinisch muß man klar unterscheiden.

Du kannst nicht jedes Cannabisprodukt gleich bewerten. Du mußt wissen, welcher Wirkstoff was tut – besonders in der Schmerztherapie.

Nach Teil 3, in dem es um Cannabis als Ganzes ging, geht es hier um die entscheidende Differenzierung: THC und CBD wirken unterschiedlich – und sie sind nicht austauschbar.

THC – der psychoaktive Wirkstoff

THC wirkt direkt im zentralen Nervensystem.

Wirkung

  • stark schmerzlindernd
  • muskelentspannend
  • appetitanregend
  • psychoaktiv

THC verändert die Wahrnehmung von Schmerz. Es dämpft Schmerzreize, beeinflusst aber gleichzeitig Stimmung, Reaktion und Bewußtseinslage.

Geeignet bei

  • starken Nervenschmerzen
  • Spastik
  • therapieresistenten chronischen Schmerzen
  • Tumorschmerz

Risiken

  • Rauschzustand
    • Konzentrationsstörung
    • Kreislaufprobleme
    • psychische Instabilität bei empfindlichen Personen
    • Abhängigkeitsrisiko

THC ist wirksam – aber nicht nebenwirkungsfrei.

CBD – der nicht berauschende Wirkstoff

CBD wirkt regulierend, nicht berauschend.

Wirkung

  • entzündungshemmend
  • angstlösend
  • beruhigend
  • schlaffördernd

CBD beeinflusst ebenfalls das Endocannabinoid-System, jedoch ohne psychoaktive Effekte.

Geeignet bei

  • leichteren chronischen Schmerzen
  • entzündlichen Prozessen
  • stressbedingter Muskelanspannung
  • begleitender Schmerztherapie

CBD ist milder, aber oft ausreichend – besonders wenn es nicht um zentrale Schmerzüberlagerung, sondern um Regulation geht.

Konsummöglichkeiten von Cannabis

Der zentrale Unterschied

THC dämpft Schmerz über Veränderung der Wahrnehmung.
CBD reguliert Entzündung und Stressreaktion.

THC wirkt stärker auf das Bewußtsein.
CBD wirkt stärker auf das Gleichgewicht.

Beide greifen ins Endocannabinoid-System ein – aber auf unterschiedliche Weise.

So liest du THC- und CBD-Angaben richtig

Hier entsteht oft Verwirrung.

Prozentangaben bei Blüten

15 Prozent THC bedeutet: 150 mg THC pro 1 Gramm Blüte.

Faustformel:
THC in mg = Gramm × THC Prozent × 10

Beispiel:
0,2 g Blüte mit 15 Prozent THC
0,2 × 15 × 10 = 30 mg THC

Schreibweise 18/1 oder 20/0

Bei medizinischem Cannabis bedeutet 18/1:

  • 18 Prozent THC
  • 1 Prozent CBD

Das ist eine THC-dominante Sorte.

Mehr THC bedeutet grundsätzlich:

  • stärkere psychoaktive Wirkung
    • stärkere zentrale Schmerzhemmung
    • höheres Nebenwirkungsrisiko

Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit.

1:1 oder 50/50

Das bedeutet meist ein ausgeglichenes Verhältnis von THC zu CBD.

Wichtig:
Immer zusätzlich auf die konkrete Menge in mg achten. Verhältnis allein sagt nichts über die tatsächliche Dosis aus.

18 bis 30 Prozent THC – ist das hoch?

Ja. Werte über 20 Prozent gelten als stark.
Für viele Menschen ist dieser Bereich bereits deutlich sedierend und alltagsuntauglich – abhängig von Sensibilität und Dosierung.

Warum THC nicht alles ist

Die Wirkung entsteht nicht nur durch THC. Entscheidend ist das sogenannte Entourage-Prinzip.

Neben THC und CBD spielen eine Rolle:

Zwei Sorten mit 18 Prozent THC können sich völlig unterschiedlich anfühlen.

Terpene – der unterschätzte Faktor

Terpene sind Duft- und Aromastoffe der Pflanze. Sie beeinflussen die Qualität der Wirkung erheblich.

Beispiele:

Myrcen
• beruhigend
• körperlich entspannend
• kann stark sedierend wirken

Limonen
• stimmungsaufhellend
• aktivierend
• eher klarer Kopf

Linalool
• angstlösend
• entspannend

Beta-Caryophyllen
• entzündungshemmend
• wirkt zusätzlich direkt am Endocannabinoid-System

Eine Sorte mit 18 Prozent THC und viel Myrcen kann stark müde machen.
Eine Sorte mit 18 Prozent THC und viel Limonen kann klar und aktivierend wirken.

THC steuert die Intensität.
Terpene steuern die Richtung.

Wann welche Option?

Bei starkem Nervenschmerz oder Spastik kann THC sinnvoll sein – ärztlich begleitet.

Bei entzündlichem Schmerz oder stressbedingter Muskelanspannung reicht oft CBD.

Bei akuter Sportverletzung ist Cannabis generell meist nicht erste Wahl. Hier sind Kühlung, Entlastung und lokale Maßnahmen oft sinnvoller.

Kombination

In medizinischen Präparaten werden THC und CBD häufig kombiniert. CBD kann Nebenwirkungen von THC teilweise abmildern.

Dosierung ist entscheidend.
Mehr ist nicht automatisch besser.

Was wirklich entscheidet

  1. THC-Menge pro Dosis
  2. Verhältnis THC zu CBD
  3. Terpenprofil
  4. Deine persönliche Sensibilität

18/1 berauscht stärker als 10/10.
Aber 18/1 ist nicht automatisch „stärker“ als jede andere Sorte.

Allchemischer Blick

THC greift in die Wahrnehmung ein.
CBD greift in die Regulation ein.

Das eine verändert Bewußtsein.
Das andere stabilisiert.

Cannabis kann Schmerz dämpfen.
Es ersetzt nicht das Verstehen seiner Ursache.

 

Hier geht es zu Teil 1:
https://a-wie-aussergewoehnlich.de/allchemie-des-alltags/natuerliche-schmerztherapie-teil-1-schmerz-ist-nicht-gleich-schmerz/

Hier zu Teil 2:
https://a-wie-aussergewoehnlich.de/allchemie-des-alltags/natuerliche-schmerztherapie-teil-2-natuerliche-salicylate-die-pflanzliche-antwort-auf-entzuendung/

Hier zu Teil 3:
https://a-wie-aussergewoehnlich.de/allchemie-des-alltags/natuerliche-schmerztherapie-teil-3-cannabis-zwischen-heilpflanze-und-hype/

 

 

 

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