Es gibt diese Sommertage, an denen ich eigentlich gar nichts im Garten tun muss.
Ich liege faul da, blinzle in die Sonne und lausche.
Es summt im Lavendel, eine Hummel verschwindet beinahe vollständig in einer Nachtkerzenblüte, eine Biene arbeitet sich unbeirrbar von der Kamillenblüte zur Minzblüte und irgendwo flattert ein Schmetterling vorbei, als hätte er überhaupt keinen Termin.
Genau dann merke ich, dass ein Garten viel mehr ist als eine Ansammlung schöner Pflanzen.
Er ist mein Lebensraum – und der von unzähligen kleinen Mitbewohnern.
Im Sommer darf es summen
Jetzt ist die Zeit, in der der Garten aus dem Vollen schöpft.
Viele meiner liebsten Kräuter gehören gleichzeitig zu den besten Pflanzen für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge:
- Thymian
- Oregano
- Majoran
- Salbei
- Lavendel
- Ysop
- Katzenminze
- Bohnenkraut
- Borretsch
- Zitronenmelisse
- Schnittlauch
- Bergbohnenkraut
Deshalb lasse ich einen Teil meiner Kräuter grundsätzlich blühen.
Ich kann vorher genug für Küche und Hausapotheke ernten. Der Rest gehört den Insekten.
Ein großer blühender Oregano ist an einem warmen Sommertag beinahe unglaublich. Überall summt, brummt und flattert es.
Thymian macht es ähnlich. Er braucht wenig Platz, liebt trockene und sonnige Stellen und verwandelt sich während der Blüte in ein kleines Bienenrestaurant.

Blumen dürfen dazwischenfunken
Ein Garten für Insekten muss nicht aussehen wie ein streng geplantes Schaubeet.
Ganz im Gegenteil.
Zwischen Kräutern, Gemüse und Sträuchern dürfen Blumen auftauchen, wo gerade Platz ist.
Besonders schön und wertvoll sind zum Beispiel:
- Kornblumen
- Ringelblumen
- Sonnenblumen
- Malven
- Skabiosen
- Flockenblumen
- Schafgarbe
- Natternkopf
- Wilde Möhre
- Margeriten
- Witwenblumen
- Dost
- Kugeldistel
- Sonnenhut
- Nachtkerze
Ein bisschen Durcheinander gehört für mich dazu.
Die Natur pflanzt schließlich auch nicht mit Zollstock.

Und was ist mit den Schmetterlingen?
Bei Schmetterlingen reicht es nicht, nur schöne Blüten anzubieten.
Denn bevor der Schmetterling durch meinen Garten flattert, war er eine Raupe.
Und die kann ausgesprochen wählerisch sein.
Deshalb gehört für mich auch eine Pflanze unbedingt in irgendeine wilde Gartenecke:
Die Brennnessel
Für uns ist sie manchmal lästig.
Für verschiedene Schmetterlinge ist sie Kinderstube.
Unter anderem nutzen Raupen von:
- Tagpfauenauge
- Kleinem Fuchs
- Admiral
- Landkärtchen
die Brennnessel als Nahrungspflanze.
Also muss ich nicht jede Brennnessel herausreißen.
Ein sonniger Platz hinter dem Schuppen, am Zaun oder in einer ungestörten Ecke reicht schon.
Was für uns „Unkraut“ ist, kann für einen Schmetterling lebensnotwendig sein.
Ein kleines bisschen Wildnis
Ich brauche dafür keinen verwilderten Garten.
Aber ich brauche auch keinen Garten, in dem jeder Grashalm strammstehen muss.
Eine kleine Ecke darf einfach machen, was sie will.
Dort dürfen Brennnesseln wachsen, Gräser höher werden und wilde Pflanzen auftauchen, die ich vielleicht gar nicht ausgesät habe.
Ich beobachte erst einmal.
Oft stellt sich heraus, dass genau dort plötzlich die interessantesten Tiere auftauchen.
Und damit beginnt für mich die eigentliche Allchemie des Gartens:
Eine Pflanze ist nicht nur Dekoration.
Sie kann Nahrung sein, Heilpflanze, Gewürz, Bodenschutz, Kinderstube und Lebensraum zugleich.
Wenn der Sommer langsam müde wird
Und irgendwann verändert sich das Licht.
Die Tage werden kürzer.
Die ersten Sommerblüten verschwinden und plötzlich wird eine ganz andere Frage wichtig:
Was blüht eigentlich noch, wenn der Sommer vorbei ist?
Denn Bienen, Hummeln und Schmetterlinge richten sich nicht nach unserem Kalender.
Sie brauchen Nahrung, solange sie unterwegs sind.
Deshalb lasse ich jetzt vieles stehen und achte darauf, dass der Garten nicht Ende August plötzlich sein Buffet schließt.
Fetthenne, Dost, Skabiosen, Sonnenhut und später auch Herbstastern übernehmen langsam die nächste Schicht.
Und während wir Menschen vielleicht schon anfangen, an das Aufräumen im Garten zu denken, beginnt draußen bereits die Vorbereitung auf den Herbst.
Genau dort machen wir im nächsten Teil weiter:
Was jetzt noch blühen sollte, was man im Herbst sogar noch aussäen kann – und warum ich längst nicht alles abschneide, nur weil der Sommer vorbei ist.
