Ich mag Gemüse, das nicht jedes Jahr wieder bei null anfängt.
Einmal pflanzen, ein bisschen pflegen – und dann kommt es einfach wieder.
Genau mein Ding.
Mehrjähriges Gemüse ist für mich deshalb eine der angenehmsten Möglichkeiten, einen Garten dauerhaft produktiv zu machen. Während Tomaten, Bohnen oder Zucchini jedes Frühjahr neu ausgesät oder gepflanzt werden müssen, stehen andere Gemüsearten jahrelang an ihrem Platz.
Und manches davon kennt heute kaum noch jemand.
Spargel – der Klassiker
Spargel gehört wohl zu den bekanntesten mehrjährigen Gemüsearten.
Wer ihn einmal angelegt hat, kann viele Jahre davon ernten.
Allerdings braucht man etwas Geduld. In den ersten Jahren sollte die Pflanze erst einmal kräftig werden, bevor regelmäßig gestochen wird.
Danach ist Spargel ziemlich treu.
Es gibt weißen und grünen Spargel, wobei grüner Spargel im Garten deutlich unkomplizierter ist. Er wächst einfach oberirdisch und muss nicht angehäufelt werden.
Für faule Gärtner also eindeutig die angenehmere Variante.
Rhabarber – Gemüse, obwohl er wie Obst behandelt wird
Rhabarber landet meistens im Kuchen, im Kompott oder in Marmelade.
Botanisch nutzen wir aber die Blattstiele eines Gemüses.
Eine kräftige Rhabarberpflanze kann viele Jahre am selben Platz bleiben und wird mit der Zeit immer größer.
Sie mag nährstoffreichen Boden und ausreichend Feuchtigkeit.
Geerntet werden die Stiele traditionell nur bis zum Frühsommer. Danach darf die Pflanze wieder Kraft sammeln.
Und nein – die Blätter werden nicht gegessen, sind jedoch ein guter Kompost.

Topinambur – einmal da, fast immer da
Topinambur ist so ein Kandidat, bei dem man sich vorher überlegen sollte, wo man ihn hinsetzt.
Denn er ist ziemlich begeistert vom Leben.
Aus den Knollen entstehen hohe Pflanzen mit gelben Blüten, die ein wenig an kleine Sonnenblumen erinnern.
Unter der Erde wachsen zahlreiche neue Knollen.
Die schmecken leicht nussig und können roh, gebraten, gekocht oder als Suppe verwendet werden.
Der Vorteil:
Topinambur ist robust, liefert reichlich Ertrag und kommt jedes Jahr wieder.
Der Nachteil:
Er kommt wirklich wieder.
Wer ihn einmal frei im Beet wachsen lässt, bekommt ihn unter Umständen nur schwer wieder los.
Ich würde ihm deshalb einen klar begrenzten Bereich geben.
Etagenzwiebel – eine meiner Lieblingsideen
Die Etagenzwiebel ist herrlich eigenartig.
Sie bildet ihre kleinen Zwiebeln nicht nur unter der Erde, sondern zusätzlich oben an den Stängeln.
Dort entstehen kleine Brutzwiebeln, die wiederum austreiben können.
Dadurch sieht die Pflanze irgendwann fast aus, als würde sie kleine Stockwerke bauen.
Verwenden kann man sowohl das Grün als auch die kleinen Zwiebeln.
Und das Beste:
Sie ist winterhart und taucht jedes Jahr wieder auf.
Eigentlich müsste so etwas in viel mehr Gärten stehen.

Winterheckenzwiebel
Auch die Winterheckenzwiebel ist ein wunderbares Dauergemüse.
Sie erinnert ein wenig an eine kräftige Lauchzwiebel und kann über viele Jahre an derselben Stelle wachsen.
Man schneidet einfach das Grün ab und die Pflanze treibt wieder aus.
Gerade im Frühjahr ist das angenehm, weil schon frisches Zwiebelgrün zur Verfügung steht, während viele andere Gemüsearten noch nicht einmal ausgesät sind.
Ewiger Kohl
Der Name sagt eigentlich schon alles.
Der Ewige Kohl ist eine mehrjährige Kohlform, die normalerweise nicht über Samen, sondern über Stecklinge vermehrt wird.
Man erntet immer wieder einzelne Blätter.
Die Pflanze wächst weiter.
Keine jährliche Aussaat, kein Kohlkopf, auf den man monatelang wartet.
Einfach Blatt nehmen und essen.
Für Suppen, Pfannengerichte, Eintöpfe oder Gemüsepfannen ist das ausgesprochen praktisch.
Und genau solche Pflanzen passen für mich perfekt in einen Garten, der sich irgendwann möglichst weitgehend selbst tragen soll.
Meerrettich
Meerrettich ist ebenfalls mehrjährig und ausgesprochen robust.
Geerntet wird seine kräftige Wurzel.
Wer beim Ausgraben ein Stückchen davon im Boden übersieht, darf ziemlich sicher davon ausgehen, dass dort wieder Meerrettich wächst.
Das kann praktisch sein.
Oder nerven.
Je nachdem, wo man ihn gepflanzt hat.
Deshalb auch hier:
Lieber gleich einen Platz wählen, an dem er dauerhaft bleiben darf.

Sauerampfer
Sauerampfer ist eines dieser Gemüse, das gleichzeitig fast schon als Wildkraut durchgeht.
Die Blätter schmecken frisch und säuerlich.
Man kann sie in kleinen Mengen in Salate geben, Suppen daraus machen oder sie ähnlich wie Spinat verwenden.
Die Pflanze ist unkompliziert und kommt im Frühjahr zuverlässig wieder.
Außerdem erscheint sie sehr früh im Jahr.
Genau das macht mehrjährige Gemüse so interessant:
Man kann teilweise schon ernten, während das klassische Gemüse gerade erst ausgesät wird.
Guter Heinrich
Der Gute Heinrich war früher ein ganz normales Gemüse.
Heute kennen ihn viele Menschen überhaupt nicht mehr.
Dabei wurden seine jungen Blätter und Triebe ähnlich wie Spinat verwendet.
Er gehört zu diesen alten Kulturpflanzen, die irgendwann aus unseren Gärten verschwunden sind, obwohl mit ihnen eigentlich nichts verkehrt war.
Vielleicht passten sie einfach nicht mehr in das moderne Supermarktdenken.
Für einen naturnahen Selbstversorgergarten finde ich solche Pflanzen umso spannender.
Baumspinat und andere Sonderlinge
Nicht jedes sogenannte Dauergemüse lebt jahrzehntelang.
Manche Arten säen sich aber so zuverlässig selbst aus, dass man fast denselben Effekt bekommt.
Dazu gehören beispielsweise bestimmte Melden und Baumspinate.
Einmal etabliert, tauchen sie an verschiedenen Stellen wieder auf.
Und genau das gefällt mir.
Ich muss nicht jedes Jahr exakt bestimmen, wo jede Pflanze stehen soll.
Der Garten darf ein bisschen mitentscheiden.
Artischocke – je nach Winter
Auch Artischocken können mehrere Jahre leben.
In milden Regionen gelingt das recht gut.
In kalten Wintern brauchen sie allerdings Schutz und manchmal überstehen sie den Winter trotzdem nicht.
Wer einen geschützten sonnigen Platz hat, kann es aber durchaus versuchen.
Allein optisch sind diese Pflanzen beeindruckend.
Und wenn man eine Knospe nicht erntet, entsteht daraus eine wunderschöne violette Blüte, die auch Insekten anzieht.
Wieder eine Pflanze mit mehreren Aufgaben.
Warum ich mehrjähriges Gemüse so sinnvoll finde
Der große Vorteil ist gar nicht nur die eingesparte Arbeit.
Mehrjährige Pflanzen besitzen meist ein kräftigeres und tieferes Wurzelsystem als einjährige Gemüsearten.
Sie müssen nicht jedes Frühjahr von vorne anfangen.
Dadurch bleibt der Boden dauerhaft durchwurzelt.
Man muss weniger umgraben.
Weniger neu pflanzen.
Weniger Boden offen liegen lassen.
Und gleichzeitig beginnt die Ernte teilweise wesentlich früher im Jahr.
Ein Garten mit mehrjährigem Gemüse wird deshalb mit jedem Jahr ein kleines bisschen unabhängiger.
Nicht alles in ein Beet sperren
Ich würde mehrjährige Gemüse auch nicht unbedingt in ein klassisches rechteckiges Gemüsebeet verbannen.
Warum nicht:
Rhabarber unter einen Obstbaum setzen.
Etagenzwiebeln zwischen Kräuter pflanzen.
Sauerampfer an den Rand eines Beetes.
Topinambur als Sichtschutz verwenden.
Artischocken zwischen Blumen setzen.
Ewigen Kohl dort wachsen lassen, wo sonst vielleicht ein Zierstrauch stehen würde.
Dann verschwimmt irgendwann die Grenze zwischen Nutzgarten und Ziergarten.
Und genau das gefällt mir.
Eine Pflanze darf schön sein und essbar.
Sie darf Insekten ernähren, den Boden schützen und gleichzeitig auf meinem Teller landen.
Mein idealer Dauergemüsegarten
Ich würde nicht versuchen, sofort zwanzig verschiedene Arten anzubauen.
Ich würde mit einigen wenigen anfangen:
Rhabarber, Spargel, Etagenzwiebel, Winterheckenzwiebel, Sauerampfer, Ewiger Kohl und Topinambur.
Dann schauen, was mit meinem Boden und meinem Klima gut zurechtkommt.
Denn genau darum geht es.
Nicht irgendeinen perfekten Garten aus einem Buch nachzubauen.
Sondern herauszufinden, welche Pflanzen sich an meinem Ort wohlfühlen.
Was sich bewährt, darf bleiben.
Was ständig kränkelt, kann wieder gehen.
Nach einigen Jahren entsteht so ein Garten, der immer weniger Arbeit verlangt und gleichzeitig immer mehr hervorbringt.
Und vielleicht ist genau das die schönste Form von Gärtnern:
Nicht jedes Jahr neu beginnen zu müssen, sondern auf dem aufzubauen, was längst lebt.
Das ist für mich wieder ein Stück Allchemie des Gartens = Permakutur.
