Qualität erkennen – naturrein, verdünnt oder synthetisch?

Bei ätherischen Ölen steht auf vielen Fläschchen:

100 % natürlich.
Rein.
Premium.
Therapeutische Qualität.

Das klingt wunderbar.

Aber was bedeutet es eigentlich?

Und vor allem:

Woran erkenne ich, ob wirklich ein naturreines ätherisches Öl im Fläschchen steckt?

Denn zwischen einem echten Pflanzenöl, einer verdünnten Mischung und einem synthetisch nachgebauten Duft liegen große Unterschiede.

Was bedeutet „naturrein“?

Ein naturreines ätherisches Öl stammt vollständig aus der angegebenen Pflanze.

Es wurde beispielsweise durch

  • Wasserdampfdestillation,
  • Kaltpressung bei vielen Zitrusschalen
  • oder ein anderes geeignetes Extraktionsverfahren

gewonnen.

Idealerweise wurde anschließend nichts hinzugefügt und nichts entfernt, um den Duft künstlich zu verändern.

Ein gutes Beispiel:

Auf einer Flasche Lavendel sollte nicht nur „Lavendelöl“ stehen, sondern möglichst auch der botanische Name:

Lavandula angustifolia

Denn „Lavendel“ ist nicht gleich Lavendel. Unterschiedliche Arten besitzen auch unterschiedliche Duft- und Inhaltsstoffprofile.

Verdünnt ist nicht automatisch schlecht

Manche Produkte sind bereits mit einem Trägeröl verdünnt.

Das kann sogar sehr sinnvoll sein – beispielsweise bei Roll-ons oder Produkten für die direkte Hautanwendung.

Dann sollte es aber klar auf dem Etikett stehen.

Zum Beispiel:

Lavendelöl in fraktioniertem Kokosöl

oder in der Zutatenliste:

Cocos Nucifera Oil, Lavandula Angustifolia Oil

Das Problem ist also nicht die Verdünnung.

Das Problem wäre, wenn man glaubt, ein Fläschchen reines ätherisches Öl zu kaufen, tatsächlich aber überwiegend ein Trägeröl erhält.

Transparenz macht den Unterschied.

Und synthetische Duftöle?

Synthetische Duftstoffe können einen Duft erstaunlich gut nachahmen.

Eine Flüssigkeit kann nach Rose, Vanille oder Lavendel riechen, ohne dass dafür die entsprechende Pflanze in nennenswerter Menge verwendet wurde.

Das macht einen synthetischen Duft nicht automatisch „böse“.

Aber:

Ein Duftöl ist nicht dasselbe wie ein naturreines ätherisches Öl.

Wenn ich bewusst mit Pflanzenessenzen arbeiten möchte, möchte ich schließlich wissen, ob ich die natürliche Zusammensetzung der Pflanze oder einen nachgebauten Duft kaufe.

Die Zutatenliste verrät einiges

Bei einem reinen ätherischen Öl sollte die Zutatenangabe entsprechend übersichtlich sein.

Bei Lavendel beispielsweise:

Lavandula Angustifolia Oil

Bei einem verdünnten Roll-on finden sich zusätzlich Trägeröle.

Tauchen dagegen Begriffe wie Parfum, Fragrance oder Aroma auf, sollte man genauer hinschauen, wenn ausdrücklich ein naturreines ätherisches Öl gesucht wird.

Der botanische Name ist für mich ein wichtiges Zeichen

Ich möchte auf einem hochwertigen Öl möglichst sehen:

  • deutsche Pflanzenbezeichnung
  • botanischen Namen
  • verwendeten Pflanzenteil
  • möglichst Gewinnungsverfahren
  • Herkunft beziehungsweise Anbaugebiet
  • Chargennummer
  • Hersteller oder verantwortliches Unternehmen

Je transparenter ein Anbieter über sein Öl informiert, desto besser kann ich beurteilen, was ich kaufe.

Ein schönes Etikett ist noch kein Qualitätsnachweis

Auch hier gilt:

Goldene Schrift, dunkles Glas und Wörter wie

Premium,
Professional,
Therapeutic Grade

machen aus einem schlechten Öl noch kein gutes.

Gerade Begriffe wie „therapeutische Qualität“ werden häufig im Marketing verwendet. Entscheidend ist für mich deshalb weniger das Werbewort als die Frage:

Kann der Anbieter die Zusammensetzung und Herkunft seines Öls nachvollziehbar dokumentieren?

Laboranalysen sind wesentlich interessanter

Bei hochwertigen ätherischen Ölen können analytische Prüfungen Hinweise auf Zusammensetzung und mögliche Verfälschungen liefern.

Besonders bekannt ist die Gaschromatographie gekoppelt mit Massenspektrometrie – GC/MS.

Dabei lässt sich untersuchen, welche flüchtigen Bestandteile in einem Öl enthalten sind und in welchen Größenordnungen sie vorkommen.

Eine solche Analyse kann beispielsweise Hinweise darauf geben, ob die Zusammensetzung ungewöhnlich ist oder ein Öl möglicherweise verfälscht wurde.

Noch besser finde ich Anbieter, die Analysen chargenbezogen zugänglich machen.

Denn Pflanzen sind Naturprodukte.

Eine Ernte ist nicht exakt wie die nächste.

Der Preis kann Hinweise geben – beweist aber nichts

Für manche ätherische Öle werden riesige Mengen Pflanzenmaterial benötigt.

Deshalb sollte man zumindest misstrauisch werden, wenn ein normalerweise aufwendig herzustellendes Öl plötzlich zum Schleuderpreis angeboten wird.

Eine echte Rose oder echtes Sandelholz für wenige Euro?

Da würde ich genauer hinschauen.

Aber auch ein hoher Preis garantiert keine Qualität.

Teuer kann hervorragend sein – oder einfach nur teuer.

Bio und naturrein sind zwei verschiedene Dinge

Das wird häufig verwechselt.

Bio beschreibt unter anderem Bedingungen des landwirtschaftlichen Anbaus.

Naturrein beschreibt dagegen die Zusammensetzung des ätherischen Öls.

Ein Öl kann naturrein sein, ohne bio-zertifiziert zu sein.

Und ein Bio-Siegel sagt wiederum nicht automatisch alles über Duftqualität, Erntezeitpunkt oder Lagerung aus.

Auch die Lagerung gehört zur Qualität

Selbst ein hervorragendes Öl kann altern.

Licht, Wärme, Sauerstoff und Zeit verändern seine Zusammensetzung.

Deshalb gehören ätherische Öle für mich:

  • gut verschlossen,
  • möglichst kühl,
  • lichtgeschützt
  • und in geeignete Flaschen.

Besonders Zitrusöle können sich mit der Zeit verändern.

Ein altes oder oxidiertes Öl würde ich nicht genauso verwenden wie ein frisches.

Und der Geruch?

Unsere Nase kann viel wahrnehmen.

Ein naturreines Öl riecht häufig komplexer als ein einfacher synthetischer Duft.

Manchmal verändert es sich sogar während des Riechens:

erst frisch,

dann blumig,

dann vielleicht etwas erdig oder holzig.

Aber auch hier gilt:

Die Nase allein ist kein Labor.

Sehr gute Duftkompositionen können täuschend echt riechen.

Deshalb verlasse ich mich lieber auf mehrere Hinweise gleichzeitig.

Meine kleine Qualitäts-Checkliste

Bevor ich ein neues ätherisches Öl kaufe, frage ich:

Ist der botanische Name angegeben?

Ist klar, ob es unverdünnt oder verdünnt ist?

Wird das Gewinnungsverfahren genannt?

Ist die Herkunft nachvollziehbar?

Gibt es Chargeninformationen?

Werden Laboranalysen angeboten?

Ist der Preis für diese Pflanze überhaupt plausibel?

Und vor allem:

Sagt mir der Hersteller offen, was in diesem Fläschchen steckt?

Denn bei ätherischen Ölen möchte ich keine schönen Versprechen kaufen.

Ich möchte die Pflanze.

So unverfälscht und nachvollziehbar wie möglich.

Qualität beginnt deshalb für mich nicht beim Duft.

Sie beginnt bei Transparenz.

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